Der kreative Bauer als Raumgestalter
oder: behornte Kühe im Laufstall leicht gemacht
Ein Laufstall, das ist wohl allen klar, ist der bestmögliche Stall für unsere Rinder.
Land auf Land ab werden sie nun gebaut. Seit Jahren werden Anbindeställe auch nicht mehr subventioniert.
Was soll denn jetzt das Thema schon wieder, wo wir doch die Lösung haben.
Es bleibt doch immer noch Raum für mehr. Mehr heisst: besser für die Kuh, aber auch besser für den Menschen.
Besser für die Kuh:
Unsere Tiere leben zeitlebens in Gefangenschaft. Wir nutzen sie und gönnen ihnen dazu einen Lebensraum.
Entwicklungsgeschichtlich jedoch sind alle Nutztiere auf ein Leben in Freiheit bestens vorbereitet, was sich an den angeborenen Verhaltensweisen zeigt. Besonders wenn sie in Lebensräume versetzt werden, die den natürlichen sehr ähnlich sind, zum Beispiel auf der Alp.
Hier bieten sich dem Rind alle Reize, für die es im Laufe von Jahrmillionen durch Anpassung genetisch vorbereitet ist.
Doch der Stall im Unterland , auch wenn es ein Laufstall ist, bietet als Lebensraum nur ein Bruchteil dessen, was ein Rind eigentlich braucht.
Gut, vieles ist besser als im Anbindestall. Da ist etwa der Laufhof. Ein Muss, denn sonst gibts weniger Direktzahlungen.
Aber der Laufhof ist meist durch zu wenige Aus- und Eingänge erschlossen.
Ranghohe Tiere bewegen sich frei in diesen Räumen, Rangniedrige hingegen müssen sich da aufhalten, wo die Ranghohen ihnen Platz lassen.
Das Phänomen ist bekannt: Viele Tiere halten sich kaum draussen auf. Und wenn, dann unter Stress. Viele Tiere sind zudem stark verschmutzt, weil ihnen auch im Liegeraum nur die schlechten Plätze bleiben. Und wenn Liegeboxen nebeneinander aufrgereiht sind, so müssen sie oft stehen bleiben, weil nur zwischen zwei ranghohen Kühen eine Boxe frei ist. Und da trauen sie sich nicht hin.
Also züchten wir doch besser nur ranghohe Tiere, müsste doch gehen? Aber wo eine Hierarchie ist, gibt es immer ranghohe und rangniedrige Tiere..
Besser (und billiger) als die Tiere zu verändern, sind Räume, welche auch für rangniedere Tiere Möglichkeiten zum Rückzug bieten.
Besser für den Menschen:
Besser genutzte Räume, Möglichkeiten, flexibel auf den Bestand zu reagieren, weniger verschmutzte Tiere; Dazu eine höhere Milchleistung und dennoch geringere Kosten bei der Einstreu, das wäre doch was ganz Tolles.
Ausser dem Laufhof besteht der Laufstall noch aus einem gedeckten Liegeraum, dem Fütterungsplatz und einem Entwässerungssystem.
Ohne Liegeboxen bildet dieser Stall ein vom Bauern frei zu „möblierender“ Raum, bei dem die Bedürfnisse aller Tiere besser berücksichtigt werden können.
„Möblieren“ heisst hier, dass man statt eine Reiche Liegeboxen zu montieren Strukturen in den Raum stellt, die etwas ganz ähnliches bewirken wie wenn Tiere sich weit voneinander entfernen: sie simulieren durch Sichtschutz Distanz.
Im natürlichen Lebensraum wird die Distanz zwischen ranghohen und rangniedrigen Tieren dadurch eingehalten, dass sich die Tiere voneinander entfernen. Sollen in Gefangenschaft diese Abstände eingehalten werden, braucht es viel zu viel Raum. In beengten Verhältnissen aber gibt es in der Kuhherde deshalb viele Auseinandersetzungen und Verletzungen. Eine Konsequenz davon ist, dass Kühe für den Laufstall enthornt werden. Aber das ist nur Symptombekämpfung. Wie sich heute zeigt, wird die psychische und physische Gesundheit der Kuh dadurch geschädigt.
Die Möblierung einer freien Liegefläche ist die kostengünstige Alternative dazu. Die „Möbel“ sind verschiebbare Wände, die ca. 150 cm hoch und blickdicht sind. Es wurde auch schon mit hängenden Wänden experimentiert. Die werden aber, so hat sich gezeigt, von den Kühen als Putzgegenstand benutzt und nicht als Abtrennung respektiert.
Jetzt beginnt die Arbeit des Bauern:
Er bringt so viel Struktur in seinen Raum (Stall) bis auch die rangniedern Tiere sich hinlegen können ohne ständig weichen zu müssen. Dazu braucht es einiges an Beobachtung.
Da die Wände mobil sind, lässt sich ohne Hammer und Meissel experimentieren und ständig neu kombinieren, bis das Resultat befriedigt. Auch später, wenn die Herde sich verändert, weil Tiere ausfallen und Nachwuchs nachrückt, kann mit wenig Aufwand die Möblierung der veränderten Herdenstruktur angepasst werden.
Die neue Dimension:
Der Bauer kümmert sich neu aktiv um die Sozialstruktur seiner Herde.
Der Bauer ist neu Raumgestalter in einem Raum, den er jederzeit den Bedürfnissen seiner Herde anpassen kann.
Das gibt eine neue Arbeitsqualität für den Bauern, denn jetzt macht er etwas ganz anders als sonst.
Er versucht die sozialen Strukturen seiner Herde zu verstehen und darauf zu reagieren.
Und das Schöne dabei ist: Die Herde wird ruhiger, braucht dadurch weniger Einstreu, verarbeitet das Futter besser und gibt dadurch mehr Milch- ein totaler Erfolg.
Und das spart eine Menge Geld:
Ruhige Herden verdauen das Futter besser, also braucht es weniger Futter bei gleicher Leistung.
Psychisch und physisch ausgeglichene Kühe bringen die bessere Leistung als gestresste, unruhige Tiere. Rangniedere Tiere können ihr Potential voll ausschöpfen.
Eine ruhige Herde braucht weniger Einstreu.
Die Tierarztkosten reduzieren sich. Meist wirken Naturheilmittel und homöopatische Medizin erst dann, wenn der Körper sich sonst im Gleichgewicht befindet.
Zudem ist die Bauhülle nicht beeinflusst durch eine Strukturierung. Der Bau ist einfacher und kostengünstiger und bei Nutzungsänderungen, etwa bei Umstellung auf Mutterkuhhaltung bringt das weniger Probleme.
Die Kosten einer Liegehalle betragen dann plötzlich nur ca. Fr. 80‘000 für 20GVE und nicht 250‘000.
Das heisst sparen. Und das an einem Arbeitsplatz, der so interessant und attraktiv geworden ist, dass er Lebensinhalt wird. Der Bauer befasst sich vermehrt wieder mit seinen Tieren. Beobachtung und Beziehung ersetzen das ständige „Schlepperfahren“. Das tut den Bandscheiben gut.
Der Laufstall mit freier Liegefläche für Tier und Mensch ein Gewinn!
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